Milpa – Mais, Bohnen und Kürbis in Mischkultur

Die Milpa ist ein traditionelles Anbausystem aus Mesoamerika. Besonders bekannt ist die gemeinsame Kultur von Mais, Bohnen und Kürbis. Dabei wachsen Pflanzen mit unterschiedlichen Eigenschaften auf derselben Fläche und nutzen Licht, Boden und Raum auf verschiedene Weise.

Die Milpa ist allerdings mehr als nur die Kombination dreier Gemüsearten. Traditionelle Milpa-Systeme können deutlich vielfältiger sein und sind eng mit der Kultur und Landwirtschaft Mesoamerikas verbunden.

Milpa-Mischkultur mit Mais, Bohnen und Kürbis im Kleingarten
Milpa in meinem Garten

Steckbrief

Anbausystem: Mischkultur / Polykultur
Typische Kulturen: Mais, Bohnen und Kürbis
Ursprung: Mesoamerika
Prinzip: Pflanzen mit unterschiedlichen Wuchsformen und Ansprüchen gemeinsam anbauen
Standort: sonnig und warm
Boden: nährstoffreich, humos und ausreichend wasserversorgt
Besonderheit: Nutzung verschiedener Ebenen – Höhe, Rankraum und Bodenfläche

Woher kommt die Milpa?

Milpa-Systeme haben in Mesoamerika eine sehr lange Tradition. Mais bildet dabei meist die zentrale Kultur und wird zusammen mit verschiedenen weiteren Nutzpflanzen angebaut.

Besonders bekannt ist die Kombination aus Mais, Bohnen und Kürbis. Sie wird häufig als mesoamerikanische Triade bezeichnet.

Ähnliche gemeinsame Anbausysteme aus Mais, Bohnen und Kürbis sind auch aus indigenen Kulturen Nordamerikas bekannt und werden dort häufig unter dem Begriff „Three Sisters“ beschrieben.

Milpa und „Three Sisters“ sollten deshalb nicht einfach als zwei Bezeichnungen für exakt dasselbe historische Anbausystem verstanden werden.

Wie funktioniert die Kombination?

Die drei Pflanzen unterscheiden sich deutlich in ihrer Wuchsform.

Mais – die Höhe

Mais wächst aufrecht und erschließt vor allem den Raum nach oben. Seine Stängel können zugleich eine natürliche Rankstruktur für geeignete Stangenbohnen bilden.

Damit das funktioniert, muss der Mais allerdings kräftig genug entwickelt sein, bevor ihn stark wachsende Bohnen als Rankhilfe nutzen.

Bohnen – die Leguminose

Bohnen gehören zu den Hülsenfrüchtlern. In Zusammenarbeit mit Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln können sie Stickstoff aus der Atmosphäre binden und für das eigene Wachstum nutzbar machen.

Oft wird daraus die vereinfachte Aussage:

„Die Bohne düngt den Mais.“

Ganz so einfach ist es nicht.

Ein Teil des gebundenen Stickstoffs kann innerhalb einer Mischkultur auch anderen Pflanzen zugutekommen. Wie groß dieser Effekt während einer Vegetationsperiode tatsächlich ist, hängt jedoch unter anderem von Boden, Mikroorganismen, Pflanzenentwicklung und Bewirtschaftung ab.

Der Nutzen der Bohne innerhalb der Mischkultur sollte deshalb nicht auf eine unmittelbare Stickstoffdüngung des Mais reduziert werden.

Kürbis – die Fläche

Kürbisse wachsen überwiegend über den Boden und bilden mit ihren großen Blättern eine bodennahe Pflanzenschicht.

Eine geschlossene Kürbisdecke kann:

  • den Boden beschatten,
  • die Verdunstung an der Bodenoberfläche reduzieren,
  • freien Raum für unerwünschten Pflanzenaufwuchs verkleinern,
  • und den Boden vor direkter Sonneneinstrahlung schützen.

Kürbis benötigt allerdings selbst viel Platz und kann schwächere Nachbarpflanzen überwachsen. Eine passende Pflanzdichte ist daher wichtig.

Warum kann Mischkultur Vorteile haben?

Bei einer gut abgestimmten Mischkultur nutzen verschiedene Arten die vorhandenen Ressourcen unterschiedlich.

Mais wächst hauptsächlich in die Höhe, Bohnen können den vertikalen Raum zum Ranken nutzen und Kürbis bedeckt die Bodenfläche.

Auch unterirdisch unterscheiden sich Pflanzen in ihrer Nutzung von Wasser und Nährstoffen.

Wissenschaftliche Untersuchungen zu Mischkulturen zeigen, dass solche Systeme unter geeigneten Bedingungen Fläche und Nährstoffe effizienter nutzen können als entsprechende Reinkulturen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jede beliebige Kombination automatisch höhere Erträge bringt.

Milpa im eigenen Garten

Für einen Versuch im Garten braucht die Kombination vor allem Sonne, Wärme, ausreichend Nährstoffe und genügend Platz.

Wichtig ist außerdem das richtige Timing.

Der Mais sollte bereits ausreichend stabil sein, bevor stark rankende Bohnen ihn erobern. Andernfalls können die Bohnen junge Maispflanzen überwachsen oder herunterziehen.

Auch beim Kürbis ist Zurückhaltung sinnvoll. Eine einzige kräftige Pflanze kann im Laufe des Sommers überraschend viel Fläche beanspruchen.

Die optimale Anordnung hängt unter anderem von Sorte, Klima, Boden und verfügbarer Fläche ab. Ein starres Pflanzschema, das in jedem Garten gleichermaßen funktioniert, gibt es daher nicht.

Ist die Milpa automatisch besonders nachhaltig?

Mischkulturen können verschiedene ökologische Vorteile besitzen. Eine größere Pflanzenvielfalt kann beispielsweise den Boden unterschiedlich durchwurzeln und vorhandene Ressourcen effizienter nutzen.

Traditionelle Milpa-Systeme sind darüber hinaus komplexe Agrarökosysteme und können wesentlich mehr Pflanzenarten umfassen als Mais, Bohnen und Kürbis.

Ein kleines Beet mit diesen drei Kulturen im deutschen Garten ist deshalb eine von der Milpa inspirierte Mischkultur, aber nicht automatisch mit einem traditionellen Milpa-System Mesoamerikas gleichzusetzen.

Milpa bei Unkraut Deluxe

Wie sich die Kombination aus Mais, Bohnen und Kürbis unter ganz normalen Kleingartenbedingungen entwickelt, probiere ich selbst aus.

→ Meine Erfahrungen mit der Milpa im eigenen Garten findest du im Blog.

Quellen und weiterführende Informationen

Die drei zentralen Quellen, auf die ich mich beim Entwurf gestützt habe, sind:

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